Warum der Hygieneplan Pflicht ist

Arztpraxen, Zahnarztpraxen und andere medizinische Einrichtungen müssen einen Hygieneplan führen. Das schreibt das Infektionsschutzgesetz vor, ergänzt durch die Hygieneverordnungen der Länder. Der Plan legt fest, wie die Praxis Infektionen verhindert. Das betrifft Händehygiene, Instrumente, Aufbereitung sowie Reinigung und Desinfektion von Flächen.

Die Reinigung ist also ein Kapitel im Hygieneplan, nicht der Hygieneplan selbst. Verantwortlich bleibt die Praxisleitung. Was sie an eine Reinigungsfirma abgibt, ist die Ausführung nach diesem Plan und der Nachweis, dass es passiert ist. Bei Begehungen durch das Gesundheitsamt wird beides geprüft.

Woran sich die Reinigung orientiert

Maßstab für die Flächenhygiene in Praxen sind die Empfehlungen der KRINKO, der Hygienekommission beim Robert Koch-Institut. Sie legt fest, welche Flächen wie zu behandeln sind, und unterscheidet nach Risiko:

  • Flächen mit häufigem Hand- und Hautkontakt: Behandlungsliegen, Türklinken, Arbeitsflächen, Tastaturen. Hier ist Desinfektion Standard.
  • Flächen mit möglicher Kontamination: Bereiche, in denen mit Blut, Sekreten oder Ausscheidungen gearbeitet wird. Desinfektion nach jeder Kontamination und routinemäßig.
  • Flächen ohne direkten Kontakt: Böden im Wartezimmer, Wände, Fensterbänke. Reinigung reicht, Desinfektion nur bei sichtbarer Verunreinigung.

Dazu kommen die Listen der Desinfektionsmittel. Üblich sind Mittel mit VAH-Zertifikat, für bestimmte Fälle die RKI-Liste. Konzentration und Einwirkzeit stehen auf dem Produkt und werden im Plan hinterlegt. Bei der Praxisreinigung in Köln arbeiten wir nach genau dieser Orientierung.

Flächendesinfektion richtig gemacht

Der häufigste Fehler in der Praxis ist die Sprühflasche. Sprühdesinfektion verteilt das Mittel ungleichmäßig, belastet die Atemluft und erreicht nicht jede Stelle. Standard ist die Wischdesinfektion:

  • Fläche mit einem getränkten Tuch komplett benetzen, Druck ausüben, nicht nur benebeln
  • Angegebene Einwirkzeit abwarten, die Fläche in dieser Zeit nicht benutzen
  • Tuch nur für eine Fläche oder einen Bereich verwenden, dann wechseln
  • Tücher aus dem Spendersystem oder frisch angesetzte Lösung, nie der Lappen von gestern
  • Handschuhe tragen, Mittel nicht mischen, Dosierung nach Herstellerangabe
  • Nach Kontamination mit Blut oder Sekret: erst aufnehmen, dann desinfizieren

Eine sichtbar verschmutzte Fläche wird erst gereinigt und dann desinfiziert. Schmutz bindet den Wirkstoff, die Desinfektion läuft sonst ins Leere.

Farbcodierung gegen Keimverschleppung

Keime wandern mit dem Tuch. Wer mit demselben Wischbezug erst das Patienten-WC und dann den Behandlungsraum wischt, verteilt genau das, was der Hygieneplan verhindern soll. Deshalb arbeiten Reinigungsfirmen in Praxen mit einem Farbsystem, das Tücher, Eimer und Wischbezüge nach Bereich trennt:

  • Rot: Toiletten und Urinale
  • Gelb: Waschbecken, Fliesen und sonstige Sanitärflächen
  • Blau: Möbel, Oberflächen, Behandlungsräume
  • Grün: Küche und Sozialraum

Die Reihenfolge folgt demselben Prinzip: Behandlungsräume zuerst, Sanitär zuletzt. Zwischen den Bereichen werden Tücher und Bezüge gewechselt. Das Material wird getrennt aufbereitet, üblicherweise bei mindestens 60 Grad gewaschen.

Faustregel: Ein Tuch, ein Bereich, eine Richtung: von sauber nach unrein, vom Behandlungsraum zum WC, niemals zurück.

Bereiche und Intervalle in der Praxis

Wie oft welche Fläche dran ist, legt der Hygieneplan fest. Als Orientierung die üblichen Intervalle:

BereichReinigungDesinfektion (üblich)
BehandlungsräumetäglichKontaktflächen täglich, nach Kontamination sofort
Behandlungsliegen, Arbeitsflächentäglichnach jedem Patienten durch das Praxisteam, abends komplett
WartezimmertäglichTürklinken, Armlehnen, Spielecke täglich
Patienten-WCtäglich, bei Bedarf öftertäglich komplett
Empfang, Tresen, Tastaturentäglichtäglich
Labor, Aufbereitungsraumtäglichnach Plan der Praxis
Böden allgemeintäglichnur bei Kontamination
Sozialraum, Küchetäglichwöchentlich

Die Desinfektion während der Sprechstunde, etwa der Liege nach jedem Patienten, bleibt beim Praxisteam. Die Reinigungsfirma übernimmt die abendliche Komplettreinigung und Desinfektion nach Plan.

Dokumentation fürs QM

Das Gesundheitsamt will sehen, dass der Plan gelebt wird. Dafür braucht es Belege, die auch nach Monaten nachvollziehbar sind:

  • Reinigungs- und Desinfektionsplan, aktuell, mit Mitteln, Konzentrationen und Einwirkzeiten
  • Reinigungsprotokoll pro Einsatz: Datum, Bereiche, Kürzel der ausführenden Person
  • Nachweis der Einweisung des Reinigungspersonals in den Hygieneplan
  • Sicherheitsdatenblätter der eingesetzten Mittel
  • Abweichungen und Korrekturen, etwa nach einer Kontamination

Wir arbeiten in Praxen mit Checklisten pro Einsatz und stellen die Protokolle für Ihr QM-System bereit. So haben Sie bei der Begehung alles in einem Ordner.

Zusammenarbeit von Praxis und Reinigungsfirma

Gut funktioniert es, wenn drei Dinge geklärt sind. Erstens: Wer macht was? Das Praxisteam desinfiziert während der Sprechstunde, die Reinigungsfirma übernimmt abends. Zweitens: Welche Mittel? Idealerweise dieselben, damit Konzentrationen und Einwirkzeiten überall gleich sind. Drittens: Wer kontrolliert? Ein fester Objektleiter, der mit der Hygienebeauftragten der Praxis regelmäßig spricht.

Bei uns beginnt das mit einer kostenlosen Besichtigung. Wir gehen den Hygieneplan mit Ihnen durch, ordnen unsere Tätigkeiten zu und erstellen ein Leistungsverzeichnis. Ihr Objektleiter weist das Team ein und kontrolliert die Ausführung. Wenn Sie den Anbieter wechseln wollen, hilft der Ratgeber Reinigungsfirma wechseln bei der Vorbereitung.